Keynesianische Strohfeuer? Besser nicht!

Keynesianische Strohfeuer? Besser nicht!

Liebe Leser, liebe Unterstützer von stoppt-edis.de,

die italienische Regierung hat eingelenkt und will ihren Haushaltsentwurf nachbessern. Vermutlich wird das Defizit nun etwas niedriger, aber immer noch höher als erlaubt ausfallen. Für kritische Beobachter der Vorgänge ist dies also nur eingeschränkt eine gute Nachricht.

Das ursprüngliche Kalkül der Regierung war gewesen, dass es durch eine erhöhte Defizitaufnahme das Wachstum (oder genauer: die Konjunktur) anschiebt und sich so das höhere Defizit zumindest teilweise selber refinanziert. Das ist jedoch ein gefährlicher Irrglaube. Zum einen führen erhöhte Staatsausgaben nicht automatisch zu höherem Wachstum – im Gegenteil: Es kommt sehr darauf an, wofür das Geld ausgegeben wird. Wird es für konsumtive Zwecke ausgegeben, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass damit mehr als nur ein kleines Strohfeuerchen entfacht wird. Doch selbst wenn das Geld für investive Zwecke ausgegeben würde, ist Vorsicht angebracht. In der Vergangenheit sind schon viele Regierungen an derartigen Versuchen gescheitert, weil der Multiplikatoreffekt in der Regel viel geringer ausfällt, als sie es sich erhofft hatten.

Allerdings trifft die Regierung durchaus einen wunden Punkt. Die italienischen Wachstumskräfte sind erschreckend schwach. Zwischen 1999 und 2017 ist italienische Pro-Kopf-Einkommen real nicht gewachsen. Das Einkommen des Durchschnittsitalieners ist noch genauso hoch wie zum Zeitpunkt des Euro-Beitritts. Das ist für Demokratien nur schwer zu ertragen. Deshalb ist der Wahlerfolg der sogenannten Populisten in Italien keineswegs überraschend.

Der hohe Bestand an notleidenden Krediten in Italien ist ebenfalls maßgeblich auf die schwache ökonomische Performanz des Landes zurückzuführen. Es wäre also dringend notwendig, die Wachstumskräfte zu stärken. Dass ein höheres Defizit hierzu irgendetwas beiträgt, darf getrost bezweifelt werden. Notwendig wäre eine Stärkung der Produktivkräfte und eine Verbesserung der Angebotsbedingungen. Um dieses Thema macht die Regierung aber einen großen Bogen, weil sie damit dem Wahlvolk schmerzhafte Reformen zumuten würde.

Ein Ende der italienischen Schwäche ist deshalb längst nicht absehbar – und genauso wenig ein Ende der italienischen Bankenkrise.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Nicolas Afflatet

About The Author

Dr. Nicolas Afflatet arbeitet als volkswirtschaftlicher Assistent im Europäischen Parlament in Brüssel. Von 2004 bis 2016 diente er als Offizier in der Luftwaffe. Er studierte Volkswirtschaftslehre an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und an der Université de Bretagne-Sud in Vannes, Frankreich. An der Helmut-Schmidt-Universität promovierte er auch mit einer Arbeit über die deutsche Schuldenbremse. Ein Forschungsaufenthalt führte ihn außerdem an die University of Strathclyde in Glasgow, Schottland.